
Tottenham und Chelsea in der Krise: Fragen nach der Hierarchie in der Premier League
Die enttäuschende Leistung von Tottenham Hotspur und Chelsea in dieser Saison hat eine Debatte über die angebliche Unbesiegbarkeit des sogenannten 'Big Six' der Premier League ausgelöst. Laut einer detaillierten Analyse steht Tottenham, Champions-League-Finalist 2019, auf dem 18. Tabellenplatz, während Chelsea Siebter ist. Beide Vereine haben in einer turbulenten Saison bereits drei Trainer durchlaufen. Die jüngste Entlassung von Liam Rosenior bei Chelsea, nur vier Monate nach seiner Amtsübernahme nach einer Niederlage gegen Brighton, unterstreicht die Instabilität.
Dieser Zusammenbruch stellt die Vorstellung in Frage, dass diese Vereine 'zu groß zum Scheitern' seien, immun gegen Krisen aufgrund ihrer enormen kommerziellen und strukturellen Vorteile. Die Situation erinnert an andere historische Abstürze, wie den Abstieg von Leicester City von den Champions von 2016 in die League One oder den Abstieg von Queens Park Rangers im Jahr 2013 mit einem Kader voller etablierter Nationalspieler. Sie deutet darauf hin, dass selbst die etabliertesten Vereine keinen ewigen Erfolg garantieren können.
Finanziell hat sich die Kluft zwischen dem 'Big Six' und dem Rest der Premier League im vergangenen Jahrzehnt deutlich vergrößert, insbesondere bei den kommerziellen Einnahmen. Eine Analyse von Swiss Ramble zeigt, dass die Top-Vereine deutlich höhere Einnahmen erzielen, wobei Manchester United in der Saison 2024-25 einen Rekordumsatz von 666,5 Millionen Pfund verzeichnete, obwohl sie nur 15. wurden. Diese finanzielle Stärke bietet einen erheblichen Puffer, aber wie diese Saison zeigt, führt sie nicht automatisch zu Ergebnissen auf dem Platz.
Der jüngste Aufstieg von Vereinen wie Newcastle United und Aston Villa sowie die innovativen Modelle von Brighton und Brentford haben begonnen, die alte Ordnung zu testen. Diese Vereine haben dazu beigetragen, die Punkte-Lücke zwischen dem vierten und dem zehnten Platz zu verringern, was auf eine wettbewerbsfähigere Tabellenmitte hindeutet. Allerdings sind konstante Herausforderungen um die Champions-League-Plätze für Außenseiter selten; von den 105 englischen Qualifikationen für die Champions League seit 2000-2001 gingen nur neun an Vereine außerhalb des traditionellen 'Big Six'.
Die relativ gerechte Verteilung der Fernsehgelder in der Premier League, bei der der Top-Verdiener nur das 1,6-fache des geringsten Verdiener erhält, unterstützt einen homogeneren Wettbewerb. Doch der Weg für einen Außenseiter, um dauerhaft einen Giganten zu ersetzen oder sich ihm anzuschließen, erfordert einen perfekten Sturm: Fehler bei der Spielerbeschaffung, Instabilität in der Eigentümerschaft und ein Verlust der sportlichen Ausrichtung – genau die Probleme, mit denen Chelsea und Tottenham in dieser Saison zu kämpfen haben. Ihre Schwierigkeiten sind eine deutliche Erinnerung daran, dass im Fußball, wie Leicester bewiesen hat, schnelle Abstürze immer möglich sind, unabhängig von früheren Erfolgen oder finanzieller Macht.


