
Botafogo verklagt Lyon auf 125 Millionen Euro wegen angeblicher Schulden
Der brasilianische Fußballverein Botafogo hat eine Klage gegen Olympique Lyon eingereicht, um über 745 Millionen brasilianische Real (entspricht etwa 125 Millionen Euro) an angeblich unbezahlten Schulden zurückzufordern. Der Verein, der weiterhin im Besitz des ehemaligen Lyon-Präsidenten John Textor ist, gab die Klage am Samstag in einer offiziellen Erklärung bekannt und bestätigte, dass die Klage bereits am vergangenen Freitag beim Gericht eingereicht wurde. Botafogo behauptet, die Schulden seien aus finanziellen Beiträgen in Form von Krediten entstanden, die nach dem Scheitern der Kooperationsvereinbarung zwischen den beiden Vereinen nicht zurückgezahlt wurden.
Laut der Erklärung des Vereins resultiert der Streit aus dem, was Botafogo als eine "einseitige" Aufkündigung der Partnerschaftsvereinbarung durch die derzeitige Präsidentin von Lyon, Michele Kang, bezeichnet. Die brasilianische Seite behauptet, dies sei inmitten interner Konflikte innerhalb der Eagle Football Group geschehen, dem Multi-Club-Besitznetzwerk, zu dem beide Vereine gehören. Botafogo behauptet, Lyon habe von den erhaltenen Mitteln profitiert, seine nachfolgenden Verpflichtungen jedoch nicht erfüllt und sich geweigert, die Schuld von 745 Millionen Real an Botafogo und weitere 12 Millionen Euro an den belgischen Verein RWDM Brüssel zu begleichen, der ebenfalls Teil der Eagle Group ist.
Die finanziellen Auswirkungen dieser Nichtzahlung seien, so Botafogo, gravierend gewesen. Der Verein gab an, dass dies direkt seine Finanzplanung beeinträchtigt und seine Fähigkeit zur Vertragsverlängerung und zur Verpflichtung neuer Spieler beeinflusst habe. Diese Situation habe Berichten zufolge dazu geführt, dass die FIFA Ende 2025 eine Transfer-Sperre gegen Botafogo verhängt habe, eine bedeutende sportliche Sanktion, die den Kaderaufbau behindert habe. Die Klage stellt eine Eskalation eines seit Monaten schwelenden Konflikts dar; Textor hatte Ende März öffentlich mit rechtlichen Schritten gegen Lyon gedroht.
Die Beziehung zwischen den beiden Vereinen war einst ein Eckpfeiler der Eagle Football-Strategie von Textor, die darauf ausgelegt war, die Entwicklung von Spielern und die kommerzielle Synergie zu fördern. Textor erwarb 2022 eine Mehrheitsbeteiligung an Lyon und fügte später Botafogo seinem Portfolio hinzu. Nachdem er jedoch seine Beteiligung an Lyon an Michele Kang und ein von INEOS geführten Konsortium Ende 2025 verkauft hatte, scheint der Kooperationsrahmen vollständig zusammengebrochen zu sein. Die Klage deutet auf einen bitteren Fallout zwischen dem aktuellen Lyon-Eigentum und Textors verbleibenden Fußballinteressen hin.
Es ist derzeit unklar, in welcher Gerichtsbarkeit die Klage eingereicht wurde, da Botafogo dies in seiner Erklärung nicht näher erläutert hat. Rechtsexperten vermuten, dass die Wahl des Gerichtsstandes ein kritischer Faktor für den Fortgang und den Ausgang des Falls sein könnte. Für Lyon stellt die Klage eine erhebliche Ablenkung abseits des Spielfelds und eine potenzielle finanzielle Belastung dar, während der Verein weiterhin bestrebt ist, unter neuer Führung wieder an die Spitze des französischen und europäischen Fußballs zurückzukehren. Der Fall unterstreicht die komplexen rechtlichen und finanziellen Verflechtungen, die aus Multi-Club-Besitzmodellen entstehen können, wenn Partnerschaften scheitern.


