
Gabriele Gravina tritt als Präsident des Italienischen Fußballverbands zurück
Gabriele Gravina ist als Präsident des Italienischen Fußballverbands (FIGC) zurückgetreten. Die Ankündigung erfolgte während einer Pressekonferenz am Donnerstag, nur zwei Tage nachdem Italien durch die überraschende Niederlage gegen Bosnien und Herzegowina aus dem internationalen Wettbewerb ausgeschieden war. Gravina hatte das Amt seit Oktober 2018 inne.
Sein Rücktritt erfolgt zu einer turbulenten Zeit für den italienischen Fußball, wobei das jüngste Scheitern der Nationalmannschaft als Auslöser für die Entscheidung diente. Gravina wird nun am 8. April vor dem Kultur-, Wissenschafts- und Bildungsausschuss der Abgeordnetenkammer erscheinen, um einen Bericht über den Zustand des italienischen Fußballs vorzulegen. Sein Nachfolger soll am 22. Juni gewählt werden.
Der scheidende Präsident ging auch auf eine kürzliche Kontroverse ein, die aus Äußerungen über italienische Sportler resultierte. Gravina hatte erklärt, dass die Sportler, die Italien in den letzten Jahren Ruhm gebracht hatten, "alle Beamte waren, mit Ausnahme von Arianna Fontana", in Bezug auf die Meisterin im Shorttrack-Speedskating. In einer späteren Erklärung bedauerte Gravina seine Äußerungen und erklärte, dass diese nicht dazu gedacht waren, einen Sport zu verunglimpfen, sondern vielmehr unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen hervorzuheben.
Gravinas Amtszeit war von erheblichen Höhen und Tiefen für den italienischen Fußball geprägt. Unter seiner Präsidentschaft feierte Italien den triumphalen Sieg bei der Europameisterschaft 2020, eine herausragende Leistung, die eine lange Titeltrockenzeit für die Azzurri beendete. Dieser Erfolg wurde jedoch von dem tiefgreifenden Versagen eingerahmt, sich für die FIFA-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zu qualifizieren, was eine Quelle nationaler Bestürzung darstellte. Der jüngste Rückschlag gegen Bosnien hat tiefe Bedenken hinsichtlich der Richtung und der Gesundheit des Sports im Land neu entfacht.
Die Suche nach einem neuen FIGC-Präsidenten beginnt nun in aller Ernsthaftigkeit, wobei der Wahlprozess in den kommenden Monaten ablaufen soll. Die Position ist eine der einflussreichsten im europäischen Fußball und regelt nicht nur die Nationalmannschaft, sondern auch die Profiligen und die umfassende Fußballinfrastruktur in Italien. Der neue Präsident wird die unmittelbare Aufgabe übernehmen, den Verband durch eine Phase der Selbstreflexion und Planung für den WM-Zyklus 2026 zu führen.
Dieser Führungswechsel fügt dem aktuellen Zustand des italienischen Fußballs eine weitere Ebene der Unsicherheit hinzu, der sich auch mit der finanziellen Nachhaltigkeit der Vereine und der Modernisierung der Stadien auseinandersetzen muss. Der nächste Verbandschef wird mit der Aufgabe betraut, das Vertrauen wiederherzustellen und eine kohärente Strategie für die Zukunft auf allen Ebenen des Spiels zu entwickeln.


